Frau Professorin Klug und ...naja ich

Ha – wer hätte das gedacht, plötzlich Lehrerin.
Unverhofft fragte mich Frau Professorin Katharina Klug vor geraumer Zeit, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr gemeinsam einen Vortrag über Pop-up Stores, Crowdfunding und STARTUPSTORE N´STORIES N°1 zu halten. Sie übernimmt den wissenschaftlich Teil, also fundierte Zahlen, Statistiken und Fakten und ich als „Naja ich“ darf über meine Erfahrungen berichten, also emotionale Geschichten. Storytelling.

Oh ja, das kann ich gut. Nur wie soll die Geschichte enden? Habe ich doch gefühlt "soeben" mein junges Modelabel in den wohlverdienten Dornröschen Schlaf geschickt...

 

Hoch motivierten, talentierten und unschuldigen Studenten kann ich unmöglich mit der Wahrheit konfrontieren. Ein Satz wie „Lasst es lieber gleich sein...“ ist mindestens pädagogisch mangelhaft!

Ich sehe schon lauter Emojis mit geschockten, weit aufgerissenen Augen und kleinen dunklen Pupillen vor mir und ich als „Naja ich“ fröhlich weiter plappernd, mit einem zwinkernden, einem weinenden Auge, heraushängender Zunge, kotzend und erleichternd berichten.

 

Wild gestikulierend, abwinkend, abweisend, beleidigt, zornig, die Hände auf den Ohren, den Augen und den Mund, affig, Rad schlagend, mit geballter Faust, leuchtender Glühbirne, die Muskel spielen… And the audience is listening. Sektflasche, Lolli, Party, Medaille, Pokal, Insel, Herzchen, Daumen hoch? Ach nein, das wäre nicht cool.

 

Warum nur bin ich beim Thema Mode so zynisch geworden?! Das möchte ich nicht sein. Modelehrerin. Das geht nicht.

 

Stopp! Vielleicht ist das meine Chance, Frieden zu schließen mit der Modebransch?! Wo sonst kann ich noch wirklich ungebremst kreativ sein und mit wem?! Schwierig, sehr schwierig. Und in meinem Alter?! Noch schwieriger. Dunkel erinnerte ich mich an meine naive Studentenzeit. Übermütig kramte ich meine verstaubten Arbeitsmappen im Dachboden hervor und sah skurrile, stillose, schamlose Entwürfe – Aber wie großartig war doch diese Attitüde, sich volle Kanne ausleben zu dürfen, nicht an Kosten zu denken, Nachhaltigkeit, Fairtrade und Co.

An einem Entwurf klebte sogar noch ein Stück Stoffmuster, mit der Notiz, „Zu teuer, aber egal“. Ja, so geht Mode. Liebe Studenten, bringt es mir bitte wieder bei! I´m listening. Herzchen, Herzchen, Herzchen, Daumen hoch!